
Wer in den letzten Tagen die Nachrichten verfolgt hat - und ich meine die
richtigen Nachrichten, nicht diese alten Printmedien, in deren Weltbild
Politik immer noch gleichbedeutend mit Wirtschaft ist und nur
Finanzkrisen und Amokläufe einen Anspruch auf mehr als fünf
Quadratzentimeter Zeitungspapier haben - könnte vielleicht, ähnlich wie
ich, auf den Gedanken gekommen sein, dass wir wahrlich in eine Zeit
gekommen sind, in der mühevoll über die Jahre einstudierte Instinkte
hinsichtlich dessen, was man an politischer Schwarzmalerei ernstnehmen
dürfe und was als Verschwörungstheorie und paranoider Ausfluss von
Zu-viel-1984-Lesern abgetan werden sollte, nutzlos, ja vielleicht sogar
gefährlich, geworden sind. Da sagt einer voraus, an dem mit
kreuzritterlichem Eifer errichteten antipädophilen Schutzwall im Internet
würde bald
scharf geschossen werden- und keine Woche nach der
medienwirksamen Gründung der “Koalition der Freiwilligen” bleibt den
Schwarzmalern gar nicht mehr so viel zum Schwarzmalen übrig.
Ernüchternd, oder? Und die Enthusiasten, moralischer wie auch
ökonomischer Motivation, Subversion durch unterschiedlichsten anderen
“Schmutz” aus den Untiefen des Internets ein paar Volkspolizisten
vorzustellen, stehen schon seit den Morgenstunden Schlange, um sich
von der neuen Lieferung aus Berlin ein Südfrüchtchen zu beschaffen.
“Schmutz im Internet” - damit ist auch unsereiner gemeint. Die Idee vom
Besitzanspruch über Ideen, Gedankengänge, Buchstabenfolgen und
Zahlen hat in der Gesellschaft schon längst Fuß gefasst (was nicht weiter
verwundern mag, wenn wir die meisten Informationskanäle bereitwillig
denen überlassen haben, welche am meisten von ihr profitieren). Von
dem Szenen aus dem dunklen Mittelalter oder der afghanischen
Wüste in den Sinn rufenden gehässigen
Gejohledes
medialen Dorfpöbelsüber die von der
heiligen Inquisition verordnete öffentliche Steinigung
der Jungs hinter The Pirate Bay bis zur
so gut wie direkt proklamierten Bereitschaft der Staubfängerlobby, notfalls das gesamte Internet zu
planieren, um die Perversen, Filesharer und perversen Filesharer aus
ihren Höhlen zu treiben (hat fast was von Donald Duck bei der
Maulwurfsbekämpfung), das öffentliche Meinungsklima ist einschlägig.
Die Verbrecher sitzen in den Arbeits-, Kinder- und Wohnzimmern und
raubkopieren, mordkopieren, kinderschändungskopieren der armen
Musikindustrie, nein, Pardon, den
armen Künstlern,ihr täglich Brot weg.
Andersdenkende, die es eigentlich wissen sollten,werden allenfalls einem
ungläubigen Blick ausgesetzt, der geradezu “Nestbeschmutzer!” schreit,
und sind am nächsten Tag vergessen.
Ein kleines Video zum Thema Piratenpartei - weiter sagen!
Für was steht die Piratenpartei 3.0Hier kannst du online Mitglied bei der Piratenpartei werden:
http://piratenpartei-hamburg.de/?q=site ... iedsantrag
Ich danke
blackhole89 für diesen wunderbaren Artikel!